Folsäure: Warum sie schon vor der Schwangerschaft zählt
Wenn der Test positiv ist, ist ein entscheidender Entwicklungsschritt oft schon passiert. Deshalb beginnt Folsäure am besten Wochen vorher.

Viele Frauen denken bei Folsäure an die Zeit, in der der Bauch schon wächst. Tatsächlich liegt das wichtigste Zeitfenster früher, nämlich in den Wochen rund um die Befruchtung. Zu einem Zeitpunkt also, an dem die meisten noch nicht wissen, dass sie schwanger sind.
Darum empfehlen Fachgesellschaften Folsäure nicht erst ab dem positiven Test, sondern schon dann, wenn eine Schwangerschaft möglich ist oder geplant wird. Hier erfährst du, warum das so ist, wie viel sinnvoll ist und was du sonst noch wissen solltest.
Was Folsäure mit dem Neuralrohr zu tun hat
Folat ist ein B-Vitamin, das der Körper für Zellteilung und Wachstum braucht. In der frühen Schwangerschaft passiert davon enorm viel. Besonders kritisch ist die Bildung des Neuralrohrs, aus dem sich später Gehirn und Rückenmark entwickeln. Es schließt sich in den ersten Wochen nach der Befruchtung, also etwa dann, wenn die Periode gerade ausbleibt.
Schließt es sich nicht vollständig, entstehen sogenannte Neuralrohrdefekte. Die bekannteste Form ist die Spina bifida, der „offene Rücken“. Eine gute Versorgung mit Folsäure senkt das Risiko für solche Fehlbildungen deutlich. Das gehört zu den am besten belegten Empfehlungen in der gesamten Schwangerschaftsvorsorge.
Das wichtigste Zeitfenster für Folsäure liegt in Wochen, in denen viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.
Folat oder Folsäure: der kleine Unterschied
Die Begriffe werden oft gleichgesetzt, meinen aber nicht ganz dasselbe. Folat ist die natürliche Form in Lebensmitteln. Folsäure ist die synthetische Form, die in Präparaten und angereicherten Lebensmitteln steckt. Der Körper kann Folsäure besser aufnehmen als natürliches Folat.
Gute Folatquellen sind:
- grünes Blattgemüse wie Spinat, Feldsalat und Grünkohl
- Kohlsorten, etwa Brokkoli und Rosenkohl
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen
- Vollkornprodukte, Nüsse und Weizenkeime
Eine solche Ernährung ist für alle gut und bleibt auch mit Kinderwunsch die Basis. Allerdings ist Folat empfindlich gegenüber Hitze, Licht und langer Lagerung, und ein Teil geht beim Kochen verloren. Für die besonders sensible Phase rund um die Empfängnis reicht die Ernährung allein deshalb in der Regel nicht aus.
Die Empfehlung im Klartext
Das Netzwerk Gesund ins Leben, dem auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und medizinische Fachgesellschaften angehören, empfiehlt Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, täglich 400 Mikrogramm Folsäure als Präparat. Und zwar zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung.
Beginnen solltest du spätestens vier Wochen vor der Empfängnis. Fortgeführt wird die Einnahme mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Hat die Einnahme vorher noch nicht begonnen, startest du so schnell wie möglich, sobald du von der Schwangerschaft weißt. Auch spät begonnen ist sie sinnvoll.
Dauert es länger, bis es mit der Schwangerschaft klappt, führst du die Einnahme einfach weiter. Folsäure in der empfohlenen Dosis gilt als gut verträglich. Deutlich höhere Mengen ohne medizinischen Grund bringen dagegen keinen zusätzlichen Nutzen, deshalb lohnt sich ein Blick auf die Packung.
Weil viele Schwangerschaften nicht geplant entstehen, ist die Empfehlung bewusst weit gefasst. Sie richtet sich nicht nur an Frauen mit konkretem Kinderwunsch, sondern an alle, bei denen eine Schwangerschaft im Bereich des Möglichen liegt.
Wann eine andere Dosis nötig sein kann
Bei manchen Frauen ist das Risiko für einen Neuralrohrdefekt erhöht. Das gilt etwa, wenn es in einer früheren Schwangerschaft oder in der Familie bereits einen solchen Defekt gab, bei bestimmten Medikamenten wie einigen Mitteln gegen Epilepsie, bei Diabetes oder bei starkem Übergewicht. Dann kann eine höhere Dosis sinnvoll sein. Über die Menge entscheidet in diesem Fall deine Ärztin, nicht das Etikett.
Oft kommt die Frage nach Genvarianten im Folatstoffwechsel auf, häufig unter dem Kürzel MTHFR. Solche Varianten sind verbreitet. Nach Einschätzung des Netzwerks Gesund ins Leben gilt die Standardempfehlung mit Folsäure aber auch für Frauen mit diesen Varianten, ein Test vorab ist in der Regel nicht nötig.
Was sonst noch zählt
Folsäure ist nicht das einzige Thema bei Kinderwunsch. Auch Jod ist in der Schwangerschaft besonders wichtig, und das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt Schwangeren und Stillenden neben jodiertem Speisesalz in der Regel ein zusätzliches Jodpräparat. Wenn du eine Schilddrüsenerkrankung hast, sprich die Einnahme vorher ärztlich ab.
Daneben gelten die bekannten Grundlagen: möglichst auf Alkohol und Rauchen verzichten, sich ausgewogen ernähren und den Impfstatus prüfen lassen, etwa gegen Röteln. Viele Frauenärztinnen bieten dafür eine Beratung bei Kinderwunsch an, oft schon bevor es konkret wird.
Kombinationspräparate für Kinderwunsch und Schwangerschaft enthalten häufig deutlich mehr als Folsäure und Jod. Das ist nicht automatisch besser. Achte auf die Dosierungen und darauf, nicht mehrere Präparate mit überlappenden Inhaltsstoffen gleichzeitig zu nehmen.
Wann zur Ärztin?
Sprich vor einer geplanten Schwangerschaft mit deiner Frauenärztin, wenn du regelmäßig Medikamente nimmst, eine chronische Erkrankung hast oder es in deiner Familie Fehlbildungen gab. Setze ärztlich verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab, nur weil du schwanger werden möchtest. Gemeinsam lässt sich klären, welche Dosis Folsäure für dich passt und was du sonst vorbereiten kannst.
Quellen
- Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Folat
- Frauenärzte im Netz (BVF): Folsäure und Kinderwunsch

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Weiterlesen →Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.


