Haut & Intimpflege

Sonnenschutz im Alltag: Brauchst du ihn auch im Herbst und Winter?

Im Winter ist die Sonne schwach, aber nicht weg. Wann Sonnenschutz in der dunklen Jahreszeit wirklich nötig ist und wann du ihn getrost weglassen kannst.

Hände verteilen Creme vor gelbem Hintergrund
Foto: Pexels

Im Sommer ist die Sache klar: Sonnencreme gehört in die Tasche. Doch sobald die Tage kürzer werden, verschwindet sie bei vielen im Schrank. Gleichzeitig liest man immer wieder, Sonnenschutz gehöre an 365 Tagen im Jahr ins Gesicht. Was stimmt denn nun?

Wie so oft liegt die Antwort dazwischen. Sie hängt davon ab, wo du bist, was du vorhast und was du dir von Sonnenschutz erhoffst. Um das einordnen zu können, hilft ein kurzer Blick auf das, was Sonnenlicht eigentlich mit der Haut macht.

Zwei Arten von UV-Strahlung

Für die Haut sind vor allem zwei Arten ultravioletter Strahlung wichtig. UVB-Strahlung ist energiereich und hauptsächlich für Sonnenbrand verantwortlich. Sie dringt vor allem in die oberen Hautschichten ein und hängt stark vom Sonnenstand ab. Im Sommer zur Mittagszeit ist sie am stärksten, im Winter deutlich schwächer.

UVA-Strahlung dringt tiefer in die Haut ein. Sie verursacht seltener einen sichtbaren Sonnenbrand, trägt aber wesentlich zur Hautalterung bei, also zu Falten, Elastizitätsverlust und Pigmentflecken. Auch an der Entstehung von Hautkrebs ist sie beteiligt. UVA schwankt über das Jahr deutlich weniger als UVB, durchdringt Wolken und auch Fensterglas.

Kurz gesagt: Dass du im Winter keinen Sonnenbrand bekommst, heißt nicht, dass gar keine UV-Strahlung auf deine Haut trifft.

Was der UV-Index verrät

Wie stark die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung an einem Tag ist, zeigt der UV-Index. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt Schutzmaßnahmen ab einem UV-Index von 3. Darunter gilt die Belastung als niedrig.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt der UV-Index im Flachland zwischen etwa November und Februar meist unter diesem Wert. Im Herbst kann er an sonnigen Tagen, besonders im September und teilweise im Oktober, aber noch darüber liegen. Wer viel draußen ist, sollte das im Blick haben. Den aktuellen UV-Index zeigen viele Wetter-Apps und die Webseite des Bundesamts an.

Wo Winter-UV unterschätzt wird

Es gibt Situationen, in denen Sonnenschutz auch im tiefsten Winter unverzichtbar ist:

  • In den Bergen: Mit der Höhe nimmt die UV-Strahlung zu, nach Angaben der WHO um etwa zehn Prozent pro 1.000 Höhenmeter.
  • Auf Schnee: Frischer Schnee reflektiert einen großen Teil der UV-Strahlung, laut WHO bis zu 80 Prozent. Die Haut bekommt die Strahlung also doppelt ab, von oben und von unten.
  • Im Winterurlaub im Süden: In Regionen näher am Äquator kann der UV-Index auch im Dezember sommerliche Werte erreichen.

Auf der Skipiste im Februar kann deine Haut mehr UV abbekommen als im Biergarten im Juni.

Hier gehören Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Lippenschutz mit UV-Filter und eine gute Sonnenbrille zur Grundausstattung. Und nicht vergessen: Ohren, Nase und Kinn sind besonders exponiert.

Täglicher Schutz im Alltag: sinnvoll oder übertrieben?

Für den normalen Winteralltag im Flachland, also kurze Wege zur Arbeit, ein Spaziergang in der Mittagspause, sind die Empfehlungen weniger streng. Medizinisch ist ein täglicher Sonnenschutz bei einem UV-Index unter 3 nicht zwingend notwendig.

Trotzdem raten viele Dermatologinnen dazu, im Gesicht ganzjährig auf UV-Schutz zu setzen, etwa in Form einer Tagespflege mit Lichtschutzfaktor. Der Grund ist vor allem die UVA-Strahlung, die sich über Jahre und Jahrzehnte summiert und zur Hautalterung beiträgt. Wer also Wert darauf legt, die Haut langfristig zu schonen, hat mit täglichem Schutz einen nachvollziehbaren Grund. Eine Pflicht ist es im Winteralltag nicht.

Es gibt aber Gruppen, für die ganzjähriger Schutz besonders sinnvoll ist:

  • Frauen, die Wirkstoffe wie Retinoide oder Fruchtsäuren verwenden, die die Haut lichtempfindlicher machen
  • Frauen mit Pigmentstörungen wie Melasma, die sich schon bei wenig Licht verstärken können
  • Menschen, die bestimmte lichtsensibilisierende Medikamente einnehmen
  • Menschen mit sehr heller Haut, vielen Muttermalen oder Hautkrebs in der Vorgeschichte

Wenn du tagsüber lange am Fenster sitzt, zum Beispiel im Büro, erreicht dich übrigens vor allem UVA. Normales Fensterglas filtert UVB weitgehend heraus, lässt UVA aber zu einem guten Teil durch.

Und was ist mit Vitamin D?

Viele fragen sich, ob Sonnenschutz die Vitamin-D-Bildung behindert. Im Winter ist diese Frage in unseren Breiten fast zweitrangig. Laut Robert Koch-Institut ist die Sonnenstrahlung in Deutschland etwa von Oktober bis März zu schwach, als dass die Haut nennenswert Vitamin D bilden könnte, mit oder ohne Sonnencreme.

Im Sommer reicht es nach Einschätzung von Fachgesellschaften meist, Gesicht, Hände und Teile von Armen und Beinen zwei- bis dreimal pro Woche für eine kurze Zeit ungeschützt der Sonne auszusetzen, und zwar deutlich kürzer als bis zum Sonnenbrand. Der Körper legt dabei Speicher an, von denen er im Winter teilweise zehrt. Ob bei dir ein Mangel besteht, lässt sich nur über eine ärztliche Blutuntersuchung klären.

So findest du deine Routine

Eine einfache Faustregel für die dunkle Jahreszeit:

  • Flachland, kurze Wege: Sonnenschutz optional, als Teil der Gesichtspflege sinnvoll, wenn dir Hautalterung oder Pigmentflecken wichtig sind.
  • Sonnige Herbsttage, viel draußen: UV-Index checken, ab 3 schützen.
  • Berge, Schnee, Süden: immer schützen, mit hohem Lichtschutzfaktor und regelmäßigem Nachcremen.

Ob du dich dafür entscheidest, täglich Sonnenschutz aufzutragen, ist am Ende eine Abwägung, kein Gebot. Wichtig ist nur, die Situationen zu kennen, in denen die Wintersonne stärker ist, als sie sich anfühlt.

Quellen

  • Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): UV-Index und Schutzmaßnahmen
  • WHO: Global Solar UV Index
  • Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D
  • Deutsche Krebshilfe: Sonnenschutz und Hautkrebsprävention
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.